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Team Arbeit

Das Team Arbeit unterstützt Flüchtlinge bei der Arbeitssuche.

Das Team hat feste Beratungstermine für Arbeitssuchende in der Gemeinschaftsunterkunft Richard Wagner Str. eingerichtet.

  • 14tägig Dienstag von 17:30 bis 19:00 Uhr

In der Gemeinschaftsunterkunft in der Hofheimer Str. sind Neuankömmlinge, die vorerst noch nicht arbeiten dürfen.

Kontakt: arbeit[at]ak-fluechtlinge-kriftel.de
Koordinatorin: Hella Prahl

Über das Team Arbeit

Hella Prahl

Koordinatorin des Teams Arbeit

Hella Prahl hat keine Angst vor Ämtern

Hella Prahl ist seit Oktober 2015 Mitglied im Arbeitskreis, seit Februar Koordinatorin des "Teams Arbeit". Dieses unterstützt Flüchtlinge bei der Arbeitssuche. Beim Besuch der Kerb und der Messe "Kriftel Aktiv" im Herbst 2015 hatte sie sich an einem Stand des Arbeitskreises nach Möglichkeiten erkundigt, sich für Flüchtlinge zu engagieren. "Ich hatte an Kinderbetreuung oder Vorlesen gedacht", erzählt die 76jährige Kriftelerin, die in der Vergangenheit auch schon im Krifteler Gemeindevorstand aktiv war.

Doch Hans Bergmann, Wirtschaftspate der Gemeinde Kriftel und damals noch Teamkoordinator des Teams, gelang es stattdessen, sie für seine Nachfolge zu gewinnen. Er sei zeitlich nicht mehr in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen. Und Hella Prahl habe doch, so sein schlagendes Argument, "keine Angst vor Ämtern", sie habe schließlich 13 Jahre lang in der Kreisverwaltung gearbeitet. Hella Prahl überlegte - und sprang Anfang Februar ins kalte Wasser.

Noch ist sie in der "Findungsphase": "Es dauert seine Zeit, bis man weiß, wer bei den Ämtern wo für was zuständig und bis ein Netzwerk entstanden ist", sagt sie. Auch Kontakte zu Firmen vor der Haustür müssen geknüpft werden. "Und das geht nicht ohne Klinkenputzen." Kleine und mittelständische Betriebe befürchteten einen Zeitaufwand in ihrem engen Auftragsplan, weiß Prahl: "Deshalb versuchen wir es zu nächst mit einem Schnuppertag."

Welcher "Aufenthaltstitel"?
Ob ein Flüchtling in Deutschland arbeiten darf, hängt von seinem Aufenthaltstitel ab: Eine "Aufenthaltsgestattung" für Asylbewerber erhalten die Menschen, die in Deutschland Asyl beantragt haben, deren Asylverfahren aber noch nicht entschieden ist. In den ersten drei Monaten der Aufenthaltsgestattung besteht ein absolutes Arbeitsverbot. Bei Flüchtlingen mit einer sogenannten "Duldung" wurde der Asylantrag zwar abgelehnt, sie werden aber nicht in ihr Heimatland abgeschoben, da in der Regel humanitäre Gründe dagegen sprechen.

Bis vor kurzem vergingen noch Monate, bis die Flüchtlinge arbeiten durften. Inzwischen wurden die Prozesse beschleunigt: "Ein Asylbewerber kann ab drei Monaten nach Erhalt seiner Aufenthaltsgestattung – die bei der Asylantragsstellung erteilt wird – mit Zustimmung der Ausländerbehörde und der Bundesagentur für Arbeit eine Erwerbstätigkeit ausüben", erklärt Hella Prahl. Eine "Vorrangprüfung", ob für die beabsichtigte Tätigkeit ein Deutscher oder ein EU-Bürger zur Verfügung steht, wurde abgeschafft.

Die Arbeitswünsche sind verschieden
Das "Team Arbeit" hat schon vor einiger Zeit feste Beratungstermine für Arbeitssuchende in der Gemeinschaftsunterkunft in der Richard Wagner Straße eingerichtet: 14-tägig dienstags von 17:30 bis 19 Uhr. "Bisher wird der Termin allerdings wenig angenommen", bedauert Hella Prahl. "Meist werden die Arbeitssuchenden vom Team Sprache zu uns geschickt und wir vereinbaren einen Termin."

Hier sollen die Daten, die Schulbildung und die Ausbildung der arbeitswilligen Flüchtlinge erfasst werden. "Schwierig ist es oft für uns, die Ausbildung der Menschen zu beurteilen. In ihren Heimatländern gibt es keine Lehrberufe wie bei uns. Sie lernen Dinge, indem sie zum Beispiel bei Handwerkern oder bei Verwandten mithelfen." In diesen Sitzungen versuchen die Mitglieder des Teams, für die Flüchtlinge Lebensläufe zu erarbeiten.

Erste Erfolge kann das Team Arbeit bereits vermelden: "Seit einiger Zeit arbeitet ein Flüchtling auf 450-Euro-Basis bei einem Fahrradhersteller, ein anderer im Gartencenter." Letzterer hat in der Heimat wie ein Architekt Brücken gezeichnet, weiß Hella Prahl. Im Blumengeschäft hat er es nicht leicht, da es an der deutschen Sprache hapert.

Bashir (re.)

vor seinem neuen Arbeitsplatz

Schnuppertag in der Demenzabteilung
Ganz besonders freut sich die agile Kriftelerin für Bashir, einen Somalier, 22 Jahre jung, der sich die Tätigkeit in einem Pflegeberuf wünschte. Hella Prahl rief kurzerhand im Kursana Domizil an, ob er sich dort vorstellen könne. Mit Erfolg: "Anfang März ist er in der Demenzabteilung eine Schicht mitgelaufen und er hat sich sehr gut angestellt", freut sich Prahl. "Er kam mit Pflegekräften als auch mit den Patienten gut klar." Die Folge: Die Heimleitung hat ihm kurzerhand einen Jahresvertrag als Pflegehelfer angeboten und kann sich sogar vorstellen, ihm im Frühjahr einen Ausbildungsplatz anzubieten.

"Das mussten die Ausländerbehörde und die Bundesagentur für Arbeit genehmigen. Inzwischen kam das OK", so Prahl. Bashir hat am 11. Mai bereits seine Arbeit als Pflegehelfer aufgenommen. Der junge Somalier sei sehr engagiert und besuche die Sprachkurse der VHS, weiß die Teamkoordinatorin. Und es gibt noch mehr Erfreuliches: Jutta Vortkamp, Leiterin des Kursana Domizils in Kriftel, habe sogar die Bereitschaft signalisiert, weitere Flüchtlinge zu beschäftigen - als Pflegehelfer, in der Küche oder in der Hauswirtschaft.

Auch für Saber, der in der Heimat 15 Jahre lang als Anstreicher gearbeitet hat, hofft Hella Prahl auf einen baldigen Schnuppertag in einem hiesigen Unternehmen.

Vorstellungen gehen auseinander
Manchmal sei es aber nicht einfach, auf die Vorstellungen der Flüchtlinge einzugehen: "Ein Syrer möchte nicht körperlich arbeiten, das ist ihm zu anstrengend. Er hat den Master in Wirtschaft, spricht aber leider noch zu wenig deutsch für einen Bürojob", weiß sie. Ein älterer Syrer, der zuhause eine eigene Möbelschreinerei hatte, möchte sich als Taxifahrer selbstständig machen. "Doch er muss hier zunächst die Theorieprüfung nachholen. Aber erst im Sommer erscheinen Prüfungsbogen auf Arabisch", schildert Hella Prahl die Schwierigkeiten.

Der Hausmeister der Flüchtlingsunterkunft in der Hofheimer Straße, Josef Kern, kennt seine Schützlinge gut. Ihm ist es gelungen, einen jungen Afghanen bei einem Tiefbaubetrieb in Hattersheim für ein Praktikum unterzubringen. "Er hat auch noch weitere Arbeitsmöglichkeiten in Aussicht. Aktuell suchen wir für zehn Flüchtlinge eine Arbeitsstelle", erzählt die Teamkoordinatorin.

Sie betont: "Wir wollen die Flüchtlinge nicht nur fördern, sondern auch fordern." Eigeninitiative sei wichtig. "Schließlich sollen die Menschen am Ende auf eigenen Füßen stehen." Ihr Amt im "Team Arbeit" sei eine echte Herausforderung, die Verständigung mit den Flüchtlingen nach wie vor schwierig. "Und Frauen sind beruflich noch viel eingeschränkter. Es ist oft in ihren Heimatländern nicht üblich, dass sie arbeiten", erzählt Hella Prahl. Vereinzelt sind ihr schon Stickereien als Arbeitsproben vorgezeigt worden. "Die sind wirklich toll, aber hier in Deutschland gibt es keinen Markt dafür."

Es werden noch Helfer gesucht: Wer sich im Team Arbeit engagieren möchte, kann sich melden bei Hella Prahl, arbeit[at]ak-fluechtlinge-kriftel.de.

Quelle: Internetseiten der Gemeinde Kriftel (19.05.2016)