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Team Sprache

Deutschunterricht für Anfänger- und Fortgeschrittene.

Kontakt: sprache[at]ak-fluechtlinge-kriftel.de
Koordinatorin: Carmen Jimenez-Guiterrez

Über das Team Sprache

Deutschunterricht

in der Hofheimer Straße

Alle möchten Deutsch lernen

Dass die deutsche Sprache zentral ist für die Integration, das hat Carmen Jimenez am eigenen Leib erfahren: Als sie vier Jahre alt war, kam die Spanierin mit ihren Eltern nach Deutschland, als sie sechs war zog die Familie nach Kriftel. "Damals gab es keine kostenlosen Deutschkurse, keine Bemühungen um Integration", weiß sie. "Ich habe für meine Eltern überall, beim Arzt oder auf Ämtern, als Dolmetscher fungiert." Bei den Gastarbeitern wurde vorausgesetzt, dass sie eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren würden.

Die Situation heute ist eine andere: Die Menschen, die zurzeit vor allem aus Syrien, Afghanistan, Iran, Pakistan, Somalia oder Eritrea nach Deutschland und nach Kriftel kommen, fliehen vor Krieg und Verfolgung. Sie möchten hier bleiben, ihre Familie nachholen, einen Arbeitsplatz finden. Um sie kümmern sich vor Ort die Mitglieder von Arbeitskreisen. In Kriftel tun sie dies mittlerweile fast schon professionell. "Die Integration der Menschen aus einer völlig anderen Kultur kann nur gemeinsam bewältigt werden. Sie ist zentral für die Erhaltung des sozialen Friedens vor der Haustür", davon sind Carmen Jimenez und ihre mittlerweile 75 Mitstreiter im Arbeitskreis Flüchtlinge überzeugt. Und dabei spielt die Sprache eine entscheidende Rolle.

Eigene Geschichte
Für die gebürtige Spanierin - seit 2010 Vorsitzende des Ausländerbeirates in Kriftel, außerdem "Integrationslotsin" der Gemeinde und Mitbegründerin des Arbeitskreis Flüchtlinge - war klar: Sie ist, auch aus ihrer eigenen "Geschichte" heraus, prädestiniert dafür, sich im Team Sprache des AK zu engagieren. Im Team Kleiderkammer und im Team Willkommen hilft sie ebenfalls mit, sitzt einmal pro Woche in der Sprechstunde des Arbeitskreises in der Unterkunft an der Hofheimer Straße. "Ich kann schlecht Nein sagen, wenn man mich um Hilfe bittet", sagt sie seufzend. Durch die Sprechstunden wurde das Team Sprache entlastet: Vorher wurden die Schreiben der Behörden und andere Post zum Deutschunterricht mitgebracht. Alle Probleme wurden zuerst mit den Deutschlehrerinnen besprochen. Nun können diese Arbeiten delegiert werden.

"Die Flüchtlinge haben von Beginn an nach Deutschkursen gefragt und immer wieder gedrängelt", erzählt Jimenez. "Am 14. März haben wir mit neuen Deutschkursen für Anfänger begonnen." Insgesamt leben derzeit, in den beiden Gemeinschaftsunterkünften in Kriftel, 135 Flüchtlinge.

Aufgrund der hohen Zahl wurden drei neue Kurse eingerichtet. Ein Kurs findet in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hofheimer Straße statt, ein Kurs im Rathaus - dreimal in der Woche je zwei Stunden. Ein Kurs in der Unterkunft an der Richard-Wagner-Straße läuft schon länger und richtet sich an Fortgeschrittene. Auch hier wird drei Mal pro Woche unterrichtet. Ein Angebot wurde jetzt speziell für Frauen eingerichtet: Zum Kurs "Mama lernt Deutsch" in der Unterkunft "Hofheimer Straße 56a" kommen zweimal pro Woche regelmäßig 18 bis 20 Frauen.

Kurs nur für Frauen nimmt Hemmungen
"
Dieses Angebot wird sehr gut angenommen", freut sich die Teamleiterin. "Stühle und Tisch reichten anfangs nicht aus." Erfahrungsgemäß nehmen die Frauen normalerweise nicht oder nur ungern an den Sprachkursen teil: Sie passen in der Regel auf die Kinder auf, wenn ihre Männer beschäftigt sind, ihre Männer halten ihre Teilnahme oft nicht für notwendig oder die Frauen fühlen sich unter mehrheitlich männlichen Teilnehmern unwohl, weiß Carmen Jimenez. Mit dem Angebot "Mama lernt Deutsch" wurden Hemmungen genommen: Die Frauen fühlen sich sichtlich wohl und sie machen motiviert mit. Ihre Männer passen unterdessen auf die Kinder auf.

Je zwei Ehrenamtler halten die Übungsstunden ab. "Dabei versuche ich, eine erfahrene Lehrerin mit einem Neuzugang im Team zu kombinieren", sagt Jimenez. In jedem Kurs gibt es mindestens eine Ehrenamtliche, die an einer Fortbildung der Volkshochschule (VHS) "Deutsch für deutschlehrende Ehrenamtler" teilgenommen hat, die 2014 in Kriftel stattfand.

Grundlagen und deutsche Werte
In den Deutschkursen des Arbeitskreises werden Grundlagenkenntnisse vermittelt. Sie sollen eine Vorbereitung auf die "Integrationskurse" der VHS sein, zu denen die Flüchtlinge eingeladen werden, sobald sie anerkannt sind. Zum Teil habe es ein halbes Jahr bis zu zwei Jahren gedauert, bis eine Einladung erfolgte, erzählt Carmen Jimenez. "Mittlerweile geht es viel schneller." Die meisten neu in Kriftel untergekommenen Flüchtlinge haben bereits nach Ostern eine Einladung zum Einstufungstest der VHS erhalten.

Die Kursleiterinnen, darunter die zweite Krifteler "Integrationslotsin" Semiha Eroglu-Buch, legen sehr viel Wert darauf, den Schülern neben der deutschen Sprache auch Werte wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Respekt vor dem anderen Geschlecht, anderen Religionen und Kulturen zu vermitteln. "Wir unterrichten alle Nationalitäten gemeinsam. Bei Gruppenarbeiten sollen sich die Flüchtlinge gegenseitig helfen", betont die Teamleiterin.

Sie hat festgestellt: Der Bildungsstand ist bei den Flüchtlingen sehr verschieden. Während einige studiert haben und fließend Englisch sprechen, sind andere anscheinend gar nicht in die Schule gegangen und müssen noch alphabetisiert werden. "Zum Teil können sie gar nicht schreiben oder sie beherrschen nur die arabische Schrift. Hier müssen wir mit unserem lateinischen Buchstabensystem beginnen", schildert Jimenez die Schwierigkeiten. Oft gehen die ehrenamtlichen Sprachlehrer mit ihren Schülern einen Schritt vor und zwei zurück – weil immer wieder neue Flüchtlinge in die Gruppen kommen, mit denen man bei null anfangen muss.

"Ich spreche Truthahn"
Trotzdem klappe es gut. "Sie geben sich im Unterricht wirklich Mühe", freut sie sich. Die Übersetzungs-App auf dem Handy werde von fast allen Kursteilnehmern genutzt und leiste in der Regel gute Dienste. Auch, wenn schon einmal lustige Übersetzungen angeboten werden. Ein Flüchtling behauptete vehement, er spreche "Truthahn", erinnert sie sich. Er meinte aber "Türkisch", erzählt sie lachend. Die App hatte ihm das Wort als Übersetzung angeboten. Künftig will das Team Sprache vermehrt Nachhilfe anbieten, da die Flüchtlinge auch in den Integrationskursen der VHS Unterstützung benötigen. Jimenez: "Da wird ein ganz anderes Tempo angeschlagen."

Wie andere Helfer des Arbeitskreises ist die gebürtige Spanierin durch ihre vielfältigen Aufgaben in Gemeinde und AK schon öfter an den Grenzen ihrer Kraft angekommen. "Wenn das eine Problem gelöst ist, und man glaubt durchatmen zu können, kommt ein neues hinzu." Gerade auch Einzelschicksale machen ihr zu schaffen. Nicht nur die "Neuen" brauchen Unterstützung, auch die anerkannten Flüchtlinge, die nicht mehr in den Gemeinschaftsunterkünften wohnen, melden sich bei ihren Bezugspersonen noch regelmäßig, wenn zum Beispiel Post vom Amt kommt. "Kürzlich musste ich einen Asylantrag für ein Neugeborenes stellen, obwohl die Eltern bereits anerkannt sind", berichtet sie. Manchmal versteht dann auch sie die Welt nicht mehr.

Quelle: Internetseiten der Gemeinde Kriftel (28.04.2016)