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Gemeinde kauft 30 "Mobil Homes" für Flüchtlinge

Anfang vergangener Woche wurde der Krifteler Rathausspitze per Bescheid mitgeteilt, dass der Gemeinde ab dem 25. Januar vom Kreis 120 Flüchtlinge direkt zugewiesen werden. Wegen gestiegener Flüchtlingszahlen seien die Kapazitäten des Main-Taunus-Kreises ausgeschöpft, begründete Kreisbeigeordneter Johannes Baron die Entscheidung. Kriftel habe unter den Kommunen mit 141 Personen den größten Aufnahmerückstand (wir berichteten).

„Der Handlungsdruck ist riesig", so die Reaktion des Ersten Beigeordneten der Gemeinde Kriftel, Franz Jirasek, auf die Mitteilung. Nicht nur, dass sich trotz intensiver Bemühungen in alle Richtungen keine Immobilie finden ließ, in der sich 120 Menschen unterbringen lassen. "Die Frist ist so kurz, dass sie kaum reicht, um all das zeitnah zu organisieren, das auf der ‚Ausstattungsliste‘ des Kreises steht: Dazu gehören Bodenbeläge, Feldbetten, Waschmaschinen, Trockner, Möbel sowie Küchen- und Sanitärcontainer", ergänzt Bürgermeister Christian Seitz.

Von Wohnwagen und Messehallen abgekommen

Seitz: „Wir verstehen uns als Partner der Vereine. Deshalb haben wir alles daran gesetzt, Lösungen zu finden, die den Vereins- und auch den Schulsport möglichst nicht beeinträchtigen.“ Die Schwarzbachhallen waren daher zu keinem Zeitpunkt eine Option. Das begrüßt auch der Vorsitzende des Vereinsrings, Bodo Knopf.

Massive mobile Hallen, wie man sie von Messen kennt, waren im Gespräch. Auch über Wohnwagen wurde in der Verwaltung nachgedacht. "Doch von Wohnwagen sind wir schnell abgekommen. Sie sind gebraucht oft in schlechtem Zustand, bieten nur wenigen Menschen Platz und wir hätten zusätzlich Spezialcontainer mit Duschen, Toiletten und Kochgelegenheiten benötigt", so Jirasek. Zudem sei das Beheizen mittels Gasflaschen aufwendig. Durch Zufall sei man dann auf „Mobile Homes“ bekommen, mobile Wohneinheiten, wie man sie in Ferienparks mieten kann. Ein Anbieter von Wohnwagen hatte nebenbei erwähnt, sich von einigen Modellen trennen zu wollen.

Vier Mobilheime sind für die Unter-bringung von Flüchtlingen in Kriftel eingetroffen. Der Erste Beigeordnete Franz Jirasek hat sie sich angeschaut.

Am Dienstagabend dieser Woche kam die Zusage: Die Gemeinde kann insgesamt 30 Mobilheime erwerben, die nun auf der Insel Rügen abgebaut und nach und nach angeliefert werden. "Sie sind in gutem Zustand, fünf bis sechs Jahre alt, 24 Quadratmeter groß und bieten vier Personen Platz", so Jirasek: "Der große Vorteil: Sie sind schon komplett möbliert, verfügen über zwei Schlafräume, eine Nasszelle, eine Kochstelle mit Elektroherd, einen Kühlschrank und eine Mikrowelle, einen Aufenthaltsraum mit Tisch und Sitzbank, Geschirr, Besteck, Wasserkocher, Kochgeschirr und eine Stromheizung." Die Intimsphäre der Bewohner wird weitestgehend gewahrt. Vier Wohncontainer aus robustem Aluminium stehen schon in Kriftel. 610.000 Euro muss die Gemeinde für die Anschaffung der Container anlegen. 1.100 Euro kostet der Transport pro Einheit. Beschlossen hat der Gemeindevorstand bereits, dass 900.000 Euro nachträglich für die Flüchtlingsunterbringung in den Haushaltsentwurf eingetragen werden. Dem stehen 8,20 Euro pro Tag und Kopf gegenüber, die es vom Land gibt.

Zeitlicher Aufschub

Dank intensiver Gespräche mit dem Kreis wurde der Gemeinde zudem ein kleiner zeitlicher Aufschub gewährt. Erwartet werden die Flüchtlinge nun am 1. Februar. "Aber auch das wird uns nicht reichen. Ohne weiteren Aufschub werden wir es nicht schaffen, alles herzurichten", so Bürgermeister Seitz. Der Erste Beigeordnete Franz Jirasek ergänzt, dass schließlich auch das Tagesgeschäft, der laufende Sitzungsbetrieb und Baumaßnahmen wie die Sanierung der Kita Vogelnest weitergehen müssen. Das neu gebildete Bauamts-Team, ergänzt um Mitarbeiter des Haupt- und Personalamts, das mit dem Projekt betraut wurde, schiebt wie viele andere Mitarbeiter der Verwaltung Sonderschichten.

Seitz hat daher ein weiteres Schreiben an Kreis und das Land Hessen aufgesetzt. Seitz: "Vielleicht kann man das Land dazu bewegen, seine Zuweisung an den Kreis eine Woche auszusetzen." Denn die Planungen stehen auf tönernen Füßen. „Viele Faktoren, wie Wetter oder Lieferzeiten, sind von uns nicht beeinflussbar", so Jirasek.

Grundstück gefunden

Nur gut, dass es zurzeit kalt und trocken ist. So konnten auf dem inzwischen ausgedeuteten Grundstück – das über 3.700 Quadratmeter große Wiesengelände neben dem Sportplatz des SV 07 an der Hofheimer Straße - bereits die Erschließungsarbeiten starten: Seit Dienstag wird mit einem Bagger der Boden abgeschoben, Bäume und Pflanzen wurden zurückgeschnitten. "Danach wird der Boden mit einem Flies belegt und geschottert, sonst versinken die Wagen bei Dauerregen im Matsch", erklärt Jirasek, der die Baustelle jetzt besuchte.

Es ist aber noch viel zu tun: Ein Kanal sowie Strom- und Wasserleitungen müssen gelegt werden. Zehn Waschmaschinen und zehn Trockner wurden organisiert. Sie sollen in einen von sechs großen Container gestellt werden, die unter anderem einen Aufenthaltsraum (rund 42 Quadratmeter groß) plus sanitäre Anlagen für einen Hausmeister (auch der wird noch gesucht), Security-Mitarbeiter und eine Sozialarbeiterin des Kreises bieten sollen. Mülltonnen und eine Trafostation müssen Platz finden. Ein zwei Meter hoher Bauzaun schirmt die Nachbarn ab. Der Trampelpfad von der Breslauer Straße auf die Hofheimer Straße, der über das Wiesengrundstück führt und von vielen Hundebesitzern genutzt wird, ist künftig nicht mehr begehbar.

"Wir glauben, jetzt die unter diesen Umständen beste Lösung gefunden zu haben", bilanzieren Seitz und Jirasek – bis der vom Kreis bereits im vergangenen Jahr in Aussicht gestellte Neubau einer Flüchtlingsunterkunft für 220 Personen in der Raiffeisenstraße realisiert ist. Das Grundstück an der Hofheimer Straße, so die Rathausspitze, sei für die Flüchtlinge ideal und zentral gelegen. Sie können fußläufig Einkaufsmärkte erreichen. Eine Integration werde so erleichtert.